Webinar: Übertragung in der therapeutischen Beziehung

Theoretische Vertiefung und praktische Anwendung der Objektbeziehungstheorie Melanie Kleins und ihrer Nachfolger

 

Die therapeutische Beziehung ist bewiesenermaßen der entscheidende Wirkfaktor jeder psychotherapeutischen Behandlung. Wir erleben in der klinischen Praxis, auf welch unterschiedliche Weisen Patienten mit uns in Kontakt treten, sie uns erleben, (miss)verstehen, mitschleppen und manipulieren. Vom ersten Moment der Begegnung an verformt und gestaltet unser Gegenüber die Beziehung zu uns auf unbewusste, aber zielführende Weise. Oft genug ist es sehr schwierig, ein deutliches Verständnis dieser Beziehungsmuster zu entwickeln, gerade auch weil es sich um unbewusste Inszenierungen handelt. Dieses unbewusste In-Beziehung-treten steht im Zentrum der Kleinschen Psychoanalyse.

 

Die Erkenntnisse von Freud und Klein

Melanie Klein (1882 - 1960) hat wie niemand anderer die revolutionären Entdeckungen Sigmund Freuds über die Existenz und den fundamentalen Einfluss unbewusster Konflikte und Phantasien auf das menschliche Funktionieren, der klinischen Praxis zugänglich gemacht. Enganschließend bei Freud entwickelte sie diese Theorien nicht nur weiter, sondern fügte essentiell neue Beobachtungen und Behandlungstechniken hinzu. Klein legte damit die Basis der objektrelationalen Tradition, in der eine reiche Literatur zu Ausdrucksformen dieser unbewussten Konflikte und Phantasien und zu Behandlungsmöglichkeiten entstand (zB. Segal, Joseph, Bion, Steiner, Weiss uvm.) 

Melanie Klein war eine der ersten Psychoanalytikerinnen, die sich auf die Analyse von kleinen Kindern richtete. Hier fand sie viele Annahmen Freuds (der vor allem mit Erwachsenen arbeitete) bestätigt, aber musste auch erkennen, dass Vorläufer des Ödipuskomplexes und des Über-Ichs schon viel früher einsetzten, als von Freud angenommen. Ausgehend von einer Entwicklungsperspektive des mentalen Funktionierens des Menschen, postulierte Klein, dass das Baby von Anfang an seine Erfahrung (wie gestillt werden, Hunger haben, Schmerz fühlen etc.) relational bedeutungsvoll erfährt, wenn auch in rudimentärer Form. Dieses frühe, vor-verbale in Beziehung stehen beeinflusst das Denken, Fühlen und Handeln des Menschen ein ganzes Leben lang und findet auch in der therapeutischen Beziehung seinen Niederschlag. 

Die Erkenntnisse von Freud und Klein haben unser Verständnis der klinischen Praxis, und was in ihr wirksam ist, grundlegend beeinflusst und geformt. Tatsächlich aber gingen beide Denker über die klinische Praxis von Pathologie und Normalität hinaus. Freud und Klein formulierten mit ihren Theorien auch ein Verständnis der menschlichen Natur. Was es bedeutet als Mensch geboren zur werden, sich zu entwickeln und in dieser Welt zu leben. Welche Beziehungen wir brauchen, wie es um Gefühle von Liebe, Hass und Aggression steht, und wie um Sexualität und Kreativität. Was es uns bedeutet zu leben, und was uns Verlust und Tod bedeuten.

 

Ziel des Workshops

Der Workshop will wesentliche Konzepte der Kleinschen Tradition theoretisch vertiefen und mit der klinischen Praxis verbinden. Teilnehmer lernen ihr Verständnis und klinischen Blick für die Arbeit mit dem unbewussten Material des Patienten zu vertiefen und zu verbreiten.

 

Inhalt

Der Workshop besteht aus 4 Zusammenkünften von jeweils 4,5 Stunden.

  1. Unbewusste Phantasie

  2. Paranoid-Schizoide Position und Depressive Position

  3. Der Ödipuskomplex

  4. Therapeutische Aspekte: Arbeiten im Hier und Jetzt der therapeutischen Beziehung.         

Arbeitsweise

Die Teilnehmer bereiten sich vor, indem sie die aufgegebene Literatur lesen. Außerdem bereitet jeder Teilnehmer einmalig maximal eine A4 Seiten anonymisiertes klinisches Material vor, das einige Tage vor dem Webinar dem Leiter zugesandt wird. 

In den Workshops nehmen wir die Literatur durch mit close reading: der Dozent liest ausgesuchte Passagen der Texte vor und bespricht diese mit den Teilnehmern. Hier haben die Teilnehmer die Gelegenheit Fragen zu stellen, auch über Textabschnitte, die nicht vorgelesen wurden. Auf diese Weise kann das Verständnis des Textes und der Materie überhaupt vertieft werden. Auch werden die klinischen Vignetten der Teilnehmer aus einer Kleinschen Perspektive zusammen besprochen. So wird eine direkte Verbindung und Anwendung des Stoffes möglich.

 

Zielgruppe

Coaches, PsychologInnen und jene in Ausbildung, PsychotherapeutInnen und jene in Ausbildung, PsychiaterInnen und jene in Ausbildung, PsychoanalytikerInnen und jene in Ausbildung.

 

Ort

Der Workshop wird mit Zoom gegeben an vier Freitagen von 13:00 - 18:00. Die Teilnehmer werden (nach Eingang der Bezahlung) persönlich vom Dozenten zum Zoom-Meeting eingeladen.

Literatur

Die Literatur wird frühzeitig für die Teilnehmer bereitgestellt. (Literaturliste: siehe unten)

Kosten

Der Workshop kostet 750,- Fr.. Diese sollten vor Beginn des Workshops überwiesen sein. 

Anmeldung

Ihre Anmeldung oder Fragen können Sie richten an inpsychotherapie@protonmail.com. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 beschränkt.